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Arzneimittel
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top
Ein Arzneimittel (abgeleitet von âArzneiâ, mittelhochdeutsch arzenÄŤe, auch erzenÄŤe und ertzney: âHeilkunde, Heilkunst, Heilmittel, Arzneimittel, Pharmazieâ;cite-ref-1[1] verwandt mit âArztâ) oder gleichbedeutend Medikament (lateinisch, abgeleitet wie medicina von derselben Wurzel med-, medicamentum und medicamen sowie remedium: âHeilmittelâ), genannt auch Pharmakon und Therapeutikum, ist ein Stoff (Arzneistoff) oder eine Zubereitung aus Stoffen, der bzw. die âzur Heilung oder zur VerhĂźtung menschlicher Krankheitenâ bestimmt ist oder sich zur Beeinflussung physiologischer Funktionen eignet oder eine medizinische Diagnose ermĂśglicht.cite-ref-2[2]
Diese Definition beruht auf der ausfĂźhrlicheren Formulierung im grundlegenden gesetzlichen Regelwerk der Europäischen Union (EU), der Richtlinie 2001/83/EGcite-ref-3[3] (Gemeinschaftskodex fĂźr Humanarzneimittel). Die Definition aus den EU-Richtlinien ist mittlerweile in etliche nationale Arzneimittelgesetze eingeflossen, darunter auch in das deutsche Arzneimittelgesetz. Der gelegentlich synonym gebrauchte Begriff Heilmittel wurde bereits im 19. Jahrhundert auch als Ăberbegriff angesehen und wurde in der deutschen Gesetzgebung um 1981 bewusst (zur Aussonderung aus der Erstattungspflicht der Krankenkassen) vom âArzneimittelâ unterschieden.cite-ref-4[4] Arzneimittel fĂźr Tiere (Tierarzneimittel) wurden in der EU mit Wirkung zum 28. Januar 2022 in ein eigenes Recht ausgegliedert.cite-ref-5[5]
Die Bezeichnung Arzneicite-ref-6[6] aus der gehobenen Allgemeinsprache und frĂźhere Bezeichnung von âzur Abgabe an den Verbraucher hergerichtete Arzneimittelâ um 1980 gebräuchlichcite-ref-7[7] gewesen, wird in der Fachsprache nicht mehr verwendet. Die Wortform Arzeneicite-ref-8[8] ist veraltet. Die Behandlung mit Arzneimitteln wird als Medikation,cite-ref-9[9] Arzneimitteltherapie, Arzneitherapie, Pharmakotherapie oder medikamentĂśse Therapie/Behandlung bezeichnet.
Contents
⢠Deutschland
⢠Ăsterreich
⢠Schweiz
⢠Arzneibuch
⢠Entwicklung
⢠Herstellung
⢠Arzneiformen
⢠Produktion
⢠Verkehr
⢠Zulassung
⢠Abgabe
⢠Anwendung
⢠Anwendungsgebiet
⢠Verordnung
⢠Anwendungsart
⢠Wirkungen
⢠Pharmakokinetik
⢠Pharmakodynamik
⢠Wirksamkeit
⢠Nebenwirkungen
⢠Wechselwirkungen
⢠Missbrauch
⢠Ăberwachung
⢠Deutschland
⢠Schweiz
⢠Ăsterreich
⢠Tierarzneimittel
⢠Geschichte
⢠Antike
⢠Mittelalter
⢠Frßhe Neuzeit
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Arzneimittelbegriff
Die WHO definierte Arzneimittel als Substanz, die dazu verwendet wird oder dafßr vorgesehen ist, zum Nutzen der Menschen physiologische Funktionen oder pathologische Zustände zu beeinflussen bzw. zu untersuchen.cite-ref-10[10] Bei der in der Einleitung genannten Definition des Arzneimittelbegriffes gemäà europäischer Regelungen ist als wesentlich die zweifache Bedeutung hervorzuheben, nämlich hinsichtlich der
⢠Zweckbestimmung des Mittels, losgelÜst von einer tatsächlichen Wirksamkeit (Arzneimittel nach der Bezeichnung, Präsentationsarzneimittel)
⢠Existenz einer pharmakologischen, immunologischen oder metabolischen Wirkung im behandelten menschlichen oder tierischen Organismus (Arzneimittel nach der Wirkung, Funktionsarzneimittel).cite-ref-11[11]
Das bedeutet, es sind sowohl Produkte, die zum Zweck der Heilung oder Krankheitsverhßtung angewendet werden bzw. angewendet werden sollen, losgelÜst von einer tatsächlichen Wirkung, als Arzneimittel einzustufen wie auch Produkte, die keinen Heilanspruch erheben, jedoch aufgrund ihrer speziellen Zusammensetzung eine Wirkung entfalten. Diese Einstufung ist wichtig, da Arzneimittel unter ein anderes Recht fallen als Lebensmittel, Kosmetika oder Medizinprodukte (Problematik der Produktabgrenzung).
Heilmittel hingegen umfassen andere medizinisch unterstĂźtzende MaĂnahmen wie Badekuren, Massagen, Ergotherapie oder Krankengymnastik.
Deutschland
In der Bundesrepublik Deutschland erfolgte die erste Festlegung des Begriffs Arzneimittel durch eine nicht umfassende Legaldefinition im Jahr 1961 und orientiert sich nur an der Fähigkeit eines solchen Mittels, Einfluss auf Beschaffenheit, Funktion oder auch den Zustand eines menschlichen oder tierischen KÜrpers zu nehmen.cite-ref-12[12]
Das deutsche Arzneimittelgesetz hat die europäischen Arzneimitteldefinitionen fßr Human- und Tierarzneimittel ßbernommen und unter nur leichter Abwandlung des Wortlauts in § 2 Absatz 1 vereint.
Auch die sogenannte âZweifelsfall-Regelungâ aus Artikel 2 Absatz 2 der Richtlinien 2001/83/EG und 2001/82/EG wurde in das AMG Ăźbernommen. Sie besagt, dass die Regelungen des Arzneimittelgesetzes auch dann anzuwenden sind, wenn ein Produkt sowohl unter die Arzneimitteldefinition als auch unter die Definition anderer Produktgruppen (beispielsweise Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Medizinprodukte, Biozide oder Kosmetika) fällt.
Das Arzneimittelgesetz definiert darßber hinaus in § 4 als spezielle Erscheinungsform eines Arzneimittels die Fertigarzneimittel: Dies sind
[âŚ] Arzneimittel, die im Voraus hergestellt und in einer zur Abgabe an den Verbraucher bestimmten Packung in den Verkehr gebracht werden oder andere zur Abgabe an Verbraucher bestimmte Arzneimittel, bei deren Zubereitung in sonstiger Weise ein industrielles Verfahren zur Anwendung kommt oder die, ausgenommen in Apotheken, gewerblich hergestellt werden. Fertigarzneimittel sind nicht Zwischenprodukte, die fĂźr eine weitere Verarbeitung durch einen Hersteller bestimmt sind.
Im Gegensatz zu Fertigarzneimitteln werden sogenannte Rezeptur- und Defekturarzneimittel in Apotheken hergestellt.
Weiterhin differenziert das AMG die Arzneimittel je nach Beschaffenheit oder Anwendungsbereich in Blutzubereitungen, Sera, Impfstoffe, Allergene, FĂźtterungsarzneimittel, Arzneimittel fĂźr neuartige Therapien (auch ATMPs genannt; Advanced Therapy Medicinal Products), sowie in radioaktive, xenogene, homĂśopathische, anthroposophische und pflanzliche Arzneimittel.
Ăsterreich
In Ăsterreich ist die europäische Arzneimitteldefinition noch nicht vollständig umgesetzt. Arzneimittel sind in § 1 Abs. 1 Arzneimittelgesetz definiert:
âArzneimittelâ sind Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen, die
1. zur Anwendung im oder am menschlichen oder tierischen KĂśrper und als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder zur Linderung oder zur VerhĂźtung menschlicher oder tierischer Krankheiten oder krankhafter Beschwerden bestimmt sind, oder
2. im oder am menschlichen oder tierischen KĂśrper angewendet oder einem Menschen oder einem Tier verabreicht werden kĂśnnen, um entweder a) die physiologischen Funktionen durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung wiederherzustellen, zu korrigieren oder zu beeinflussen, oder b) als Grundlage fĂźr eine medizinische Diagnose zu dienen.
Die Definition ist nahezu wortidentisch zu der im deutschen Arzneimittelgesetz vor Inkrafttreten der 15. AMG-Novelle im Juli 2009.
AuĂerdem gelten als Arzneimittel solche Gegenstände, die ein Arzneimittel enthalten oder auf die ein Arzneimittel aufgebracht ist, und die zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen KĂśrper bestimmt sind sowie Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen, die die Merkmale des Absatz 1 nicht aufweisen, sofern sie dazu bestimmt sind, fĂźr die Herstellung von Arzneimitteln verwendet zu werden.
Schweiz
In der Schweiz definiert Artikel 4 des Heilmittelgesetzes (HMG) Arzneimittel im Sinne des Gesetzes so:
Produkte chemischen oder biologischen Ursprungs, die zur medizinischen Einwirkung auf den menschlichen oder tierischen Organismus bestimmt sind oder angepriesen werden, insbesondere zur Erkennung, VerhĂźtung oder Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen; zu den Arzneimitteln gehĂśren auch Blut und
Blutprodukte
.
Das Heilmittelgesetz kennt unter anderem den Begriff âArzneimittel der Komplementärmedizinâ. Unter diesen Begriff fallen nach der Komplementär- und Phytoarzneimittelverordnung namentlich âasiatische, homĂśopathische (einschlieĂlich homĂśopathisch-spagyrische/spagyrische) sowie anthroposophische Arzneimittelâ; unter asiatischen Arzneimitteln werden chinesische, tibetische oder ayurvedische Arzneimittel verstanden.cite-ref-13[13]
Arzneimittelbezeichnung und Klassifizierung
Angesichts der groĂen Vielfalt an Arzneimitteln und einer unĂźberschaubaren Zahl volkstĂźmlicher Bezeichnungencite-ref-14[14] ist es wichtig, dass diese eindeutige Bezeichnungen tragen, um potentiell gefährliche Verwechslungen zu vermeiden. FĂźr Fertigarzneimittel wurden deshalb feste Regeln fĂźr die Bezeichnung eingefĂźhrt. Als Name des Arzneimittels wird oft ein vom Hersteller vorgeschlagener, von den BehĂśrden genehmigter Phantasiename verwendet,cite-ref-15[15] der zugleich oft als Handelsname geschĂźtzt ist. Alternativ wird der von der Weltgesundheitsorganisation vergebene, auf den Arzneistoff bezogene Internationale Freiname, teils in Verbindung mit dem Herstellernamen oder anderen Zusätzen, als Arzneimittelname verwendet. Dies ist bei Generika häufig der Fall. Der Freiname muss bei Arzneimitteln mit bis zu drei Wirkstoffen in jedem Fall angegeben werden.cite-ref-rl2001835-16-0[16] Der Freiname ist nicht nur eine frei verwendbare eindeutige Bezeichnung fĂźr den Arzneistoff, aus bestimmten Kennsilben im Namen kann auch die Wirkstoffklasse abgeleitet werden.cite-ref-17[17]
Zur systematischen Ordnung der Arzneimittelvielfalt wurden Klassifikationssysteme entwickelt, die Arzneimittel nach Stoffgruppen oder Diagnosegruppen einteilen. Ein viel gebräuchliches System ist das von der Weltgesundheitsorganisation koordinierte Anatomisch-Therapeutisch-Chemische Klassifikationssystem. Dieses nutzt die Organe fßr den Hauptwirkort, Therapiegruppen sowie die chemische Struktur, um Substanzen, also Arzneistoffe und teilweise auch Kombinationen, zu kategorisieren. Fßr den deutschen Arzneimittelmarkt gibt es eine angepasste amtliche deutsche Version.cite-ref-18[18]
Arzneimittelinformation
Zuverlässige Information zur Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ist unerlässlich fĂźr die sichere Anwendung von Arzneimitteln. Bei Fertigarzneimitteln ist die amtliche Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels ein zentrales Dokument, von dem sich ein groĂer Teil der Arzneimittelinformation ableitet.cite-ref-19[19] Dort werden beispielsweise Zusammensetzung, Anwendungsgebiete, Dosierung, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen angegeben. Als Fachinformation wird die Information von den Herstellern vor allem fĂźr Fachkreise bereitgestellt; auch die Packungsbeilage fĂźr den Verbraucher leitet sich inhaltlich von diesem Dokument ab. Vorschriften zur Bezeichnung von Arzneimitteln sowie zu Pflichtinformationen, die der Hersteller fĂźr Anwender und Verbraucher bereitstellen muss, sind im Arzneimittelrecht geregelt.
Arzneimittelverzeichnis
Arzneimittelverzeichnisse erleichtern das Finden von Informationen Ăźber Arzneimittel. Weite Verbreitung haben kommerzielle Verzeichnisse wie die Rote Liste oder die Gelbe Liste, die die Zusammensetzung von Fertigarzneimitteln, deren Anwendungsgebiet, die Dosierung, den Hersteller, den Preis und andere Details angeben. Zur Information der Ăffentlichkeit wurden amtliche, frei zugängliche Arzneimittelinformationssysteme aufgebaut, darunter EudraPharm fĂźr die EU und PharmNet.Bund fĂźr Deutschland. In Ăsterreich sind der Austria-Codexcite-ref-20[20] bzw. das Arzneispezialitätenregistercite-ref-21[21] maĂgebend. FĂźr die Schweiz gibt es das Arzneimittel-Kompendium der Schweiz. Weitere international bedeutende Listen sind die British National Formulary und die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation.
Arzneibuch
Das Arzneibuch deckt einen anderen Bereich der Information ab als die Arzneimittelverzeichnisse. Es verzeichnet die gebräuchlichen Arzneistoffe, Hilfsstoffe und Arzneiformen. Dort werden alle fßr die Arzneimittelprßfung wichtigen Spezifikationen (qualitative und quantitative Grenzwerte) und Prßfmethoden in detaillierten Monographien beschrieben. Fertigarzneimittel sind im Arzneibuch aus systematischen Erwägungen heraus grundsätzlich nicht erfasst. Laienmedizinische Anwendungen und in der Hausapotheke verwendete Arzneimittel (Hausarzneiencite-ref-22[22]) finden sich in sogenanntencite-ref-23[23] Hausarzneibßchern.
Entwicklung
Arzneimittel sind meist keine Reinstoffe, sondern Zubereitungen von Arzneistoffen mit Hilfsstoffen und werden heute zum weit Ăźberwiegenden Teil von Pharmaunternehmen als so genannte Fertigarzneimittel entwickelt und hergestellt.
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Hauptartikel
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Pharmaforschung
Die Entwicklung neuer Arzneimittel umfasst die Identifizierung und nichtklinische Entwicklung neuer Wirkstoffe (Arzneistoffe), die galenische Entwicklung von Arzneiformen sowie die klinische Prßfung. Wegen der umfangreichen und langwierigen vorgeschriebenen Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprßfungen ist die Entwicklung eines innovativen Arzneimittels sehr teuer. Neue Wirkstoffe werden deshalb von den Entwicklern patentiert, sie kÜnnen somit nur vom Patentinhaber kommerziell verwendet werden. Erst nach Ablauf des Patentschutzes kÜnnen andere Firmen billigere Generika-Präparate mit dem gleichen Wirkstoff auf den Markt bringen. Jährlich kommen nur wenige innovative neue Arzneimittel auf den Markt. Die Entwicklung eines Arzneimittels ohne neuen Wirkstoff, beispielsweise eine neue Arzneiform eines bekannten Arzneistoffs oder ein Generikum, ist weit weniger aufwendig.
Nichtklinische Entwicklung
In der nichtklinischen Entwicklung werden neue Wirkstoffe identifiziert, verbessert und in geeigneten experimentell-pharmakologischen Testsystemen auf ihre Eignung als Arzneistoff untersucht.cite-ref-pharmaindustrie-kapitel2-24-0[24] Die Entwicklung schlieĂt eine umfangreiche Toxizitätsbestimmung einschlieĂlich vorgeschriebener Tierversuche ein.
Die neuen Stoffe kĂśnnen synthetische Stoffe oder Naturstoffe aus Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen sein. Oft werden groĂe MolekĂźlbibliotheken durchsucht, aus denen am Ende nur einige wenige neue Stoffe zur weiteren Entwicklung geeignet sind. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts werden auch vermehrt gentechnisch hergestellte Stoffe eingesetzt.
Die Pharmazeutische Technologie oder Galenik entwickelt die Arzneiform eines fertigen Arzneimittels aus einem (oder mehreren) Arzneistoffen und einem (oder mehreren) Hilfsstoffen. Durch die Galenik kann die Freisetzungsgeschwindigkeit, der Ort der Freisetzung und der Ort der Wirkung beeinflusst werden.
Klinische PrĂźfung
FĂźr die Zulassung eines Humanarzneimittels ist dessen PrĂźfung in klinischen Studien am Menschen vorgeschrieben. Diese umfassen:cite-ref-pharmaindustrie-kapitel2-24-1[24]
⢠Phase I: ĂberprĂźfung der Aufnahme des Arzneistoffs und erste qualitative ĂberprĂźfungen der (Neben-)Wirkungen an einem kleinen Kreis in der Regel gesunder Probanden (ca. 10â50 Probanden).
⢠Phase II: Qualitative und quantitative ĂberprĂźfungen der Wirkungen und Nebenwirkungen eines Arzneistoffs und Dosisfindung fĂźr Phase III der klinischen PrĂźfung (ca. 100â500 Patienten).
⢠Phase III: Quantitativer Nachweis der Wirksamkeit eines Arzneimittels gegenßber einem Placebo oder einer anderen Kontrolle unter definierten Bedingungen (meist ßber 1.000 Patienten).
⢠(Phase IV): Nach erteilter Zulassung werden Arzneimittel weiter in Langzeitstudien untersucht.
Die meisten experimentellen Arzneimittel scheitern im Verlauf der klinischen PrĂźfung. Nur ca. 8 % der in Phase I untersuchten Mittel erreichen am Ende die Zulassung.cite-ref-pharmaindustrie-kapitel2-24-2[24]
Herstellung
Die Arzneimittelherstellung umfasst die Produktion des Arzneimittels in seiner gewĂźnschten Arzneiform, aber auch die Beschaffung der Ausgangsmaterialien und die Verpackung sowie die Qualitätssicherung. Die Herstellung findet heute zum grĂśĂten Teil industriell in Pharmaunternehmen statt, die Eigenherstellung von Arzneimitteln in Apotheken (und wie im Mittelalter etwa auch durch Wundärzte und Laienärztecite-ref-25[25]) spielt nur noch eine geringe Rolle.
Arzneiformen
Arzneistoffe werden meist nicht als reiner Stoff verwendet, sondern in einer besonderen Arzneiform zubereitet. Die Zubereitung soll in der Anwendung eine sichere Dosierbarkeit erlauben und die Wirkung des Arzneistoffs optimieren. Dazu werden die Arzneistoffe mit Hilfsstoffen in verschiedenen Herstellungsverfahren verarbeitet. Die am häufigsten hergestellten Formen sind Tabletten und Kapseln; zusammen stellen diese ca. 80 % der verwendeten Arzneimittel.cite-ref-pharmaindustrie-kapitel3-26-0[26] Neben festen Arzneiformen sind noch flĂźssige Formen zur Injektion oder Infusion, sowie zur oralen Anwendung (z. B. Sirup), Salben zur äuĂerlichen Anwendung sowie Aerosole und LĂśsungen zur Inhalation gebräuchlich; weitere Sonderformen kommen nur recht selten zum Einsatz.
Produktion
Die Herstellungsverfahren der pharmazeutischen Technologie sind je nach Arzneiform sehr verschieden. Bei der häufigsten Form, der Tablette, werden beispielsweise die Ausgangsstoffe eingewogen und gemischt, meist zur besseren Verarbeitbarkeit granuliert und dann erst trocken zu Tabletten gepresst.cite-ref-pharmaindustrie-kapitel3-26-1[26] Diese werden anschlieĂend oft noch mit einem Ăberzug versehen, der ihnen besondere Eigenschaften wie beispielsweise GleitvermĂśgen, Säurefestigkeit, Form und Farbe verleiht.
Die Produktion muss unter kontrollierten, keimarmen Bedingungen erfolgen. Arzneimittel zur Injektion mĂźssen steril hergestellt werden. Besonders aufwändig ist die Herstellung biologischer Arzneimittel, bei denen geringe Abweichungen im Verfahren zu groĂen Unterschieden in der Wirkstärke fĂźhren kĂśnnen. Die gesamte Herstellung wird von einer laufenden Qualitätssicherung Ăźberwacht. Dabei ist die Beschaffenheit des Arzneimittels, insbesondere Identität, Gehalt und Reinheit, zu kontrollieren. Alle Herstellungsschritte mĂźssen ausfĂźhrlich dokumentiert werden.cite-ref-pharmaindustrie-kapitel5-27-0[27]
Verpackung und Kennzeichnung
Die Verpackung samt ihrer Kennzeichnung ist ein fester Bestandteil eines Fertigarzneimittels. Sie muss im Rahmen der Zulassung genehmigt werden. Feste Arzneiformen werden oft in Sichtverpackungen (Blistern), die in Faltschachteln verpackt werden, abgegeben.
Fertigarzneimittel mĂźssen in der Europäischen Union unter anderem mit dem Namen des Arzneimittels, der Stärke und der Darreichungsform, dem internationalen Freinamen, dem Namen des Pharmaunternehmens, der PackungsgrĂśĂe, dem Verfalldatum und der Chargennummer gekennzeichnet sein.cite-ref-rl2001835-16-1[16] Ebenso sind Hinweise fĂźr die Aufbewahrung vorgeschrieben (etwa auĂerhalb der Reichweite von Kindern, ggf. bestimmte Lagerungstemperaturen). DarĂźber hinaus kĂśnnen von Land zu Land weitere Kennzeichen gesetzlich vorgeschrieben oder handelsĂźblich erforderlich sein.
In Deutschland wird beispielsweise die fĂźr die Logistik und die Abrechnung wichtige Pharmazentralnummer mit Code 39 verwendet. Dazu haben die betroffenen Spitzenverbände der Apotheken und Krankenkassen sich gemäà § 300 SGB V (FĂźnftes Buch) vertraglich geeinigt, bei der Arzneimittelabrechnung die PZN als IdentifikationsschlĂźssel zu verwenden. Zu diesem Zweck Ăźbertragen die Apotheken die PZN der zu Lasten der GKV abgegebenen Arzneimittel maschinenlesbar auf die Verordnungsblätter. Der Pharmahandel nutzt PZN fĂźr Bestellung, Fakturierung, Logistik und fĂźr das Lagerwesen. Hierbei dienen PZN als Artikel-/ Bestellnummern in (elektronischen) Bestellaufträgen zwischen Industrie, Pharmazeutischen GroĂhandlungen und Apotheken, auf Lieferscheinen und Rechnungen. Sie unterstĂźtzen die Tourenplanung und -verfolgung, die Identifikation der gelieferten Waren beim Wareneingang und im Warenlager. In diesem Zusammenhang spielt das Thema Strichcodierung eine zentrale Rolle.
Rechtsvorschriften
Die Arzneimittelherstellung ist durch nationale, europäische und internationale Regelwerke geregelt. Damit soll die Versorgung der BevĂślkerung mit qualitativ hochwertigen Arzneimitteln sichergestellt werden. Arzneimittelhersteller benĂśtigen eine behĂśrdliche Herstellungserlaubnis, fĂźr deren Erteilung geeignete und ausreichende Räume, technische Einrichtungen und KontrollmĂśglichkeiten vorhanden sein mĂźssen.cite-ref-28[28] In der Europäischen Union muss fĂźr den Hersteller eine sachkundige Person bescheinigen, dass jede Charge eines Arzneimittels entsprechend den Spezifikationen und Vorschriften hergestellt und geprĂźft worden ist. Die Einhaltung der Guten Herstellungspraxis, die eine ordnungsgemäĂe, hygienische, gut dokumentierte und kontrollierte Herstellung vorschreibt, wird durch behĂśrdliche Inspektionen ĂźberprĂźft.cite-ref-pharmaindustrie-kapitel5-27-1[27]
Verkehr
Das so genannte Inverkehrbringen beinhaltet nach dem deutschen AMG (§ 4, Abs. 17) âdas Vorrätighalten zum Verkauf oder zu sonstiger Abgabe, das Feilhalten, das Feilbieten und die Abgabe an andere.â In vielen Ländern ist der Verkehr mit Arzneimitteln durch das Arzneimittelrecht streng reguliert. Arzneimittel dĂźrfen nur nach behĂśrdlicher Zulassung in den Verkehr gebracht werden. Die Abgabe von Arzneimitteln an Endverbraucher ist fĂźr verschiedene Kategorien von Arzneimitteln unterschiedlich streng reglementiert. Die Arzneimittelwerbung unterliegt in vielen Ländern einer gesonderten Rechtsprechung.
Zulassung
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Hauptartikel
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Arzneimittelzulassung
Fertigarzneimittel bedßrfen in vielen Ländern einer behÜrdlichen Genehmigung, bevor sie in den Verkehr gebracht werden dßrfen. Zweck dieser Regelung ist es, die BevÜlkerung vor schädlichen oder unwirksamen Arzneimitteln zu schßtzen. Das Pharmaunternehmen muss in einem Zulassungsantrag die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität des Arzneimittels belegen. Entscheidend fßr die Zulassung durch die zuständige ArzneimittelbehÜrde ist, dass die Beurteilung der Unterlagen fßr das Arzneimittel ein gßnstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis ergibt. Die mit dem Antrag bei der BehÜrde vorzulegende Dokumentation ist detailliert geregelt.cite-ref-pharmaindustrie-kapitel4-29-0[29]
In der Europäischen Union wurden einheitliche Verfahren eingefĂźhrt, die eine Zulassung in mehreren Mitgliedstaaten ermĂśglichen. FĂźr bestimmte Arzneimittel, darunter gentechnisch hergestellte Arzneimittel und Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen gegen HIV, Krebs, Diabetes und einige weitere Krankheiten ist die Antragstellung bei der Europäischen Arzneimittelagentur fĂźr eine EU-weite Zulassung zwingend vorgeschrieben.cite-ref-pharmaindustrie-kapitel4-29-1[29] FĂźr andere Arzneimittel kann der Zulassungsantrag bei der jeweils zuständigen nationalen BehĂśrde gestellt werden, in Deutschland bei dem Bundesinstitut fĂźr Arzneimittel und Medizinprodukte oder dem Paul-Ehrlich-Institut, in Ăsterreich bei der in der Ăsterreichischen Agentur fĂźr Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) angesiedelten Medizinmarktaufsicht.
Die Schweiz fßhrt Zulassungen unabhängig von der EU durch, zuständig ist hier die Swissmedic. In den USA erfolgt die Zulassung durch die FDA.
In den letzten Jahren wurden in der EU und in den USA spezielle Vorschriften und Verfahren fßr die Zulassung von Orphan-Arzneimitteln und Kinderarzneimitteln eingefßhrt, um in diesen vernachlässigten Gebieten die Entwicklung zu fÜrdern.
Die Verordnung eines zugelassenen Arzneimittels in einer Indikation oder Patientengruppe auĂerhalb der erteilten Zulassung wird als Off-Label-Use bezeichnet.cite-ref-medizinrecht-30-0[30] Die in Einzelfällen vorzeitig geduldete Anwendung eines noch nicht zugelassenen Arzneimittels aus humanitären Erwägungen nennt man auch Compassionate Use.
Abgabe
Die Abgabe von Arzneimittel an den Endverbraucher ist streng geregelt.cite-ref-medizinrecht-30-1[30] Pharmaunternehmen und PharmagroĂhandel beliefern in der Regel nur Apotheken und Krankenhausapotheken; die weitaus meisten Arzneimittel dĂźrfen nur von Apotheken an den Endverbraucher abgegeben werden. Damit soll eine fachkundige Beratung der Verbraucher sichergestellt werden.
In Deutschland kĂśnnen Arzneimittel nach Abgabeerlaubnis in vier Gruppen eingeteilt werden:
1. freiverkäufliche, d. h. nicht apothekenpflichtige (Verkauf auch auĂerhalb von Apotheken)cite-ref-31[31]
2. apothekenpflichtige (Abgabe nur in Apotheken)
3. verschreibungspflichtige (Abgabe nur in Apotheken gegen Vorlage einer ärztlichen, zahnärztlichen oder tierärztlichen Verschreibung)
4. Betäubungsmittel (Abgabe in Apotheken nur gegen Vorlage eines Betäubungsmittelrezeptes)
Die ersten beiden Gruppen von Arzneimitteln werden zusammen auch als OTC-Arzneimittel (von engl. over the counter = âĂźber die Ladenthekeâ) bezeichnet. Im Jahr 2007 waren von allen in Deutschland zugelassenen Arzneimitteln 60 % verschreibungspflichtig, 34 % apothekenpflichtig und 5 % frei verkäuflich. Betäubungsmittel machten ein Prozent aus.cite-ref-simon-32-0[32]
In der Schweiz existieren entsprechend fĂźnf Abgabekategorien:
1. Kategorie A: In der Regel einmalige Abgabe auf ärztliche Verschreibung; Dauerrezepte sind seit 2018 jedoch mÜglich. Kategorie A+ sind Betäubungsmittel auf besonderem Rezept.
2. Kategorie B: In der Regel auf ärztliche Verschreibung, Dauerrezepte je nach Kanton 1 oder 2 Jahre lang gßltig. Bei bestimmten, häufigen Erkrankungen ist kein Rezept notwendig.
3. Kategorie C: Abgabe in Apotheken. Diese Kategorie wurde im Jahr 2019 aufgelĂśst. 15 % der Mittel wurden in die Kategorie B eingeteilt, 85 % in die Kategorie D.
4. Kategorie D: Abgabe in Apotheken und Drogerien
5. Kategorie E: Abgabe ohne Fachberatung, auch in Supermärkten
Im Jahr 2005 fielen 59 % aller in der Schweiz zugelassenen Arzneimittel in die Kategorien A und B, 10 % in die Kategorie C und 31 % in die Kategorien D und E.cite-ref-marty-33-0[33]
Die Voraussetzungen, die erfĂźllt sein mĂźssen, um Arzneimittel abgeben zu dĂźrfen, sind von Land zu Land verschieden. In Deutschland dĂźrfen nur Apotheker Apotheken besitzen und apothekenpflichtige Humanarzneimittel abgeben. In manchen anderen europäischen Ländern, darunter auch Ăsterreich und einige Kantone der Schweiz, haben auch bestimmte Ărzte ein solches Dispensierrecht. Tierärzte dĂźrfen auch in Deutschland Tierarzneimittel aus einer Tierärztlichen Hausapotheke abgeben.cite-ref-medizinrecht-30-2[30]
Anwendung
Arzneimittel werden unter vielfältigen Umständen angewendet, von der eigenverantwortlichen Selbstmedikation bis hin zur Gabe durch Fachärzte unter intensiver stationärer Ăberwachung. In jedem Fall ist die Wahl eines fĂźr das Anwendungsgebiet geeigneten Mittels entscheidend. Dabei kĂśnnen Arzneimittel in verschiedenen Arzneiformen Ăźber verschiedene Anwendungsarten gegeben werden.
Anwendungsgebiet
Unter medizinischen Gesichtspunkten ist entscheidend, ein fĂźr das Anwendungsgebiet, die so genannte Indikation, geeignetes Arzneimittel anzuwenden. Dabei sind Gegenanzeigen oder Kontraindikationen und Arzneimittelwechselwirkungen zu beachten. Eine Verordnung eines Arzneimittels auĂerhalb der in der Zulassung genannten Anwendungsgebiete (Off-Label-Use) erfordert eine besondere Aufklärung des Patienten durch den Arzt.cite-ref-medizinrecht-30-3[30]
Die im Jahr 2007 in Deutschland am häufigsten verordneten Arzneimittelgruppen waren ACE-Hemmer und Sartane zur Behandlung des Bluthochdrucks, Antibiotika gegen bakterielle Infektionen, Entzßndungshemmer und Antirheumatika, Schmerzmittel, Betablocker bei Herz-Kreislauferkrankungen und Antidiabetika bei Diabetes mellitus.cite-ref-avr2008-34-0[34]
Verordnung
Die Anwendung der weitaus meisten Arzneimittel erfolgt auf ärztliche Verordnung. Ărzte sind angehalten, beim Ausstellen eines Rezeptes neben der medizinischen Notwendigkeit auch die MĂśglichkeit einer nichtmedikamentĂśsen Behandlung, die Wirtschaftlichkeit sowie weitere rechtliche Vorgaben zu berĂźcksichtigen.cite-ref-35[35] Unterlassen Ărzte beim Einsatz von Medikamenten, die sich lebensgefährlich auswirken kĂśnnen, die gebotene lĂźckenlose ärztliche Kontrolle, kann dies zu berufsrechtlichen Sanktionen fĂźhren.cite-ref-36[36] Der Arzneimittelverordnung sollte eine fĂźr den Patienten individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung vorausgehen.
Anwendungsart
FĂźr Arzneimittel gibt es eine Reihe verschiedener Anwendungsarten oder Applikationsformen. Man kann beispielsweise innerliche und äuĂerliche, Ăśrtliche und kĂśrperweite Applikationen unterscheiden. Am häufigsten ist die perorale Gabe durch den Mund, da diese vom Patienten einfach selbstständig durchzufĂźhren ist und entsprechende Arzneiformen gĂźnstig herzustellen sind. Arzneimittelgaben durch Injektion sind aufwändiger und mĂźssen in der Regel durch medizinisches Fachpersonal durchgefĂźhrt werden. Bei bestimmten chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus kĂśnnen Patienten geschult werden, sich selbst Injektionen zum Beispiel von Insulinpräparaten zu verabreichen.
Qualitätssicherung
Um Schädigungen durch unsachgemäĂe Anwendung von Arzneimitteln zu vermeiden, sind QualitätssicherungsmaĂnahmen erforderlich. Ărzte kĂśnnen bei der Verordnung neben der jeweiligen Fachinformation herstellerunabhängige Therapieleitlinien heranziehen, die fĂźr viele Erkrankungen den Stand der Wissenschaft darlegen.cite-ref-37[37] EDV-LĂśsungen kĂśnnen bei Unstimmigkeiten zwischen Diagnosen und Verordnungen oder bei zu erwartenden Wechselwirkungen entsprechende Hinweise geben. Apotheker sind bei der Abgabe von Arzneimitteln verpflichtet, die ärztliche Verordnung auf IrrtĂźmer zu ĂźberprĂźfen und die Qualität des abzugebenden Arzneimittels zu kontrollieren. Pflegekräfte sollen beim Richten und Verabreichen von Arzneimitteln Prinzipien wie die so genannte 5-R-Regel anwenden: richtiger Patient, richtiges Arzneimittel, richtige Dosierung und/oder Konzentration, richtige Applikationsart, richtiger Zeitpunkt.cite-ref-jelinek-38-0[38]
Viele Patienten mßssen im Laufe eines Tages mehrere Arzneimittel einnehmen. Um die Einnahme zu erleichtern, werden oft Medikamentendispenser eingesetzt. Eine andere MÜglichkeit ist die individuelle Verblisterung von Arzneimitteln durch eine Apotheke. Hierbei werden die verschiedenen verschriebenen Fertigarzneimittel fßr den Patienten in eine Sichtverpackung umverpackt. Nach dem deutschen Arzneimittelgesetz ist fßr eine solche Verblisterung keine Zulassung erforderlich.(§ 21, Abs. 2, 1b. (b))
Die korrekte Medikation und Einhaltung der 5R-Regel (ârichtige Person, richtiges Medikament, richtige Dosierung, richtige Applikationsform und richtiger Zeitpunktâ) wird in Krankenhausapotheken oft durch das sogenannte Unit-Dose-System unterstĂźtzt. Hierbei werden Arzneimittel in patientenunabhängige Unit Doses umverpackt. Beim darauffolgenden Umverpackungsprozess, der vollautomatisiert ist, wird jede Einzeldosis mit einem Label versehen. Auf dem Label sind die Angaben von der Originalverpackung, wie beispielsweise das Ablaufdatum versehen. Durch die Einzelverpackungen werden Kontaminierungen durch andere Medikamente vermieden und die Informationen aus der Originalverpackung gehen nicht verloren.cite-ref-39[39]
Die verordneten Arzneimittel sowie die entsprechenden Einnahmevorschriften werden in einem Medikationsplan dokumentiert.
Wirkungen
Arzneimittel und die in ihnen enthaltenen Arzneistoffe interagieren auf vielfältige Weise mit dem menschlichen oder tierischen KĂśrper.cite-ref-mutschler-40-0[40] Diese Wechselwirkungen untersucht die Pharmakologie. Sie studiert den zeitlichen Verlauf der Arzneistoffmenge im KĂśrper nach Gabe ebenso wie die Wirkstärke und die Wirkmechanismen am Wirkort und letztlich die Auswirkungen auf den KĂśrper insgesamt. Die erwĂźnschten Wirkungen von Arzneimitteln (âWirksamkeitâ) werden oft von Nebenwirkungen begleitet, die meist unerwĂźnscht sind. Die Abwägung des Nutzens gegenĂźber dem Risiko ist stets individuell abzuwägen.
Pharmakokinetik
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Hauptartikel
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Pharmakokinetik
Die Pharmakokinetik betrachtet den zeitlichen Verlauf der Konzentration eines Arzneistoffs im KĂśrper nach Gabe des Arzneimittels.cite-ref-mutschler-40-1[40] Um ihre Wirkung im KĂśrper ausĂźben zu kĂśnnen, mĂźssen Arzneimittel beziehungsweise die in ihnen enthaltenen Arzneistoffe Gelegenheit erhalten, den Wirkort zu erreichen. Beispielsweise mĂźssen Tabletten nach dem Schlucken zuerst im Magen oder im Darm zerfallen, dann muss der freigesetzte Arzneistoff resorbiert und ins Blut aufgenommen werden. Die Verteilung im KĂśrper erfolgt durch den Blutkreislauf, der den Arzneistoff auch zum Wirkort transportiert. Gleichzeitig wirken weitere KĂśrperfunktionen auf den Arzneistoff ein. Durch den Stoffwechsel kann er verändert oder abgebaut werden. Diese Biotransformation kann den Arzneistoff unwirksam machen, aber auch schädliche Abbauprodukte erzeugen. SchlieĂlich werden Arzneistoffe oder ihre Abbauprodukte auch wieder ausgeschieden, meist Ăźber die Niere oder die Galle.
Pharmakodynamik
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Hauptartikel
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Pharmakodynamik
Die Pharmakodynamik untersucht die Wirkung des Arzneistoffs am Wirkort.cite-ref-mutschler-40-2[40] Definitionsgemäà ßben Arzneimittel eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung auf die KÜrperfunktionen aus.cite-ref-41[41] Dies erfolgt in der Regel durch hochselektive Wechselwirkungen mit bestimmten KÜrperbestandteilen. Der Wirkmechanismus der meisten Arzneistoffe beruht darauf, an bestimmte Zielstrukturen im KÜrper zu binden (im menschlichen KÜrper gibt es einige hundert verschiedene Zielstrukturen). Dies sind oft Membranrezeptoren oder Enzyme, deren Funktion durch den Arzneistoff aktiviert oder gehemmt wird. Dadurch werden die KÜrperfunktion und der Krankheitsverlauf beeinflusst.
Die Stärke der pharmakologischen Wirkung hängt in der Regel von der Dosis des Arzneimittels ab. Dies lässt sich in einer Dosis-Wirkungs-Beziehung darstellen. Nicht alle Wirkungen eines Arzneimittels sind erwĂźnscht. Aus den Dosis-Wirkungs-Beziehungen fĂźr die erwĂźnschten und die unerwĂźnschten Wirkungen lässt sich die sogenannte therapeutische Breite eines Arzneimittels ableiten. Diese ist ein MaĂ fĂźr die Sicherheit: Je grĂśĂer die therapeutische Breite, desto sicherer ist das Arzneimittel in der Anwendung.
Wirksamkeit
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Hauptartikel
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Therapeutische Wirksamkeit
Die Wirksamkeit eines Arzneimittels ist die Summe seiner erwßnschten Wirkungen fßr das jeweilige Anwendungsgebiet.cite-ref-feiden-42-0[42] Arzneimittel werden insbesondere angewendet, um Krankheiten zu erkennen, zu verhßten, zu lindern oder zu heilen. Dieses Ziel geht weit ßber eine rein pharmakologische Wirkung hinaus. Arzneimittel sollen je nach Bestimmung eine therapeutische Wirksamkeit, eine diagnostische Eignung oder eine präventive Wirkung haben, die in klinischen Studien belegt wurde. Dies ist eine Voraussetzung fßr die Arzneimittelzulassung.
Nicht alle Arzneimittel vermÜgen Krankheiten zu heilen oder die Krankheitsursachen zu behandeln. Oft beschränkt sich die Wirksamkeit auf eine Besserung von Symptomen.
Nebenwirkungen
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Hauptartikel
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Nebenwirkung
Die Wirksamkeit wird fast immer von Nebenwirkungen begleitet. Eine Nebenwirkung (in der Fachsprache auch âunerwĂźnschte Arzneimittelwirkungâ genannt) ist eine bei normalem Gebrauch auftretende Wirkung, die schädlich und unbeabsichtigt ist.cite-ref-43[43] Bekannte Nebenwirkungen sind in der Packungsbeilage zusammen mit ihrer Häufigkeit dokumentiert.
Die Abwägung von Nutzen und Risiken ist ein zentrales Problem in der Entwicklung, Zulassung und Anwendung von Arzneimitteln. In schweren Fällen kĂśnnen Nebenwirkungen zu dauerhaften kĂśrperlichen Schäden fĂźhren. Treten solche Schäden nach bestimmungsgemäĂem Gebrauch des Arzneimittels auf, dann kann das Pharmaunternehmen dafĂźr haften.
Wechselwirkungen
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Hauptartikel
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Arzneimittelwechselwirkung
Die Wirkung von Arzneimitteln wird dadurch verkompliziert, dass sich verschiedene Arzneimittel gegenseitig beeinflussen kÜnnen.cite-ref-mutschler-40-3[40] Diese Arzneimittelwechselwirkungen (Interaktionen) kÜnnen bis zum vollständigen Wirkungsverlust eines Mittels oder auch zu schweren Nebenwirkungen fßhren. Folgende Arten der Wechselwirkung werden unterschieden:
⢠pharmakodynamische Interaktion â Wechselwirkung der Arzneistoffe am selben Wirkort (oder dieselbe KĂśrperfunktion betreffend)
⢠pharmakokinetische Interaktion â Wechselwirkung bei der Aufnahme, der Verteilung, der Verarbeitung durch den Stoffwechsel oder der Ausscheidung
⢠pharmazeutische Interaktion â Wechselwirkung, die auf Unverträglichkeit der Stoffe beruht
⢠Auch manche Lebensmittel kÜnnen die Wirkung bestimmter Arzneimittel beeinflussen.
Insbesondere bei einer Multimedikation sind Arzneimittelwechselwirkungen ein groĂes Problem, da die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen mit der Zahl der Arzneimittel rasch zunimmt. In diesem Zusammenhang ist auch neben der allgemeinen Schaffung grĂśĂerer Ăbersichtlichkeit ein detaillierter Medikamentenplan, der laut neuem E-Health-Gesetzesentwurf ab Oktober 2016 von ärztlicher Seite aus pflichtausgehändigt werden soll, als sinnvoll zu erachten. So lassen sich potentielle Wechselwirkungen leichter recherchieren und von erfahrenen Ărzten eventuell auf einen Blick erkennen, was ansonsten aufgrund situations- und aufregungsbedingt im Arztgespräch vergessener Medikamente durchaus untergehen kann zum Nachteil der Therapiesicherheit und des -erfolgs.
Missbrauch
Wegen ihrer Wirkungen werden manche Arzneimittel auch immer wieder missbraucht. Besonders problematisch ist der oft mit einer Abhängigkeit verbundene Medikamentenmissbrauch beispielsweise von Benzodiazepinen und Opiaten. In Deutschland wird die Zahl der medikamentenabhängigen Menschen auf 1,4 bis 1,9 Millionen geschätzt.cite-ref-44[44]
Ein anderer Bereich, in dem Arzneimittel missbräuchlich eingesetzt werden, ist das Doping. Hier kommt es durch Einsatz von illegal beschafften bedenklichen Mitteln und durch Fehlgebrauch immer wieder zu schweren Arzneimittelschäden.
Ăberwachung
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Hauptartikel
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Pharmakovigilanz
Fertigarzneimittel werden nach der Zulassung laufend auf das Auftreten unerwßnschter Wirkungen hin ßberwacht, um unerwartete, bisher unbekannte und seltene Nebenwirkungen zu erfassen.cite-ref-avp-45-0[45] Der Grund hierfßr ist, dass bei der Zulassung nur wenige tausend Patienten behandelt wurden, wodurch seltene Nebenwirkungen nicht erfasst werden kÜnnen. Auch Langzeitschäden sind zum Zeitpunkt der Zulassung meist nicht absehbar.
Deshalb mĂźssen Ărzte und Apotheker Verdachtsfälle solcher Nebenwirkungen melden. Die pharmazeutischen Unternehmer sind gesetzlich verpflichtet, unerwĂźnschte Wirkungen â selbst wenn es nur Verdachtsfälle sind â je nach Schwere entweder kurzfristig oder zu vorgeschriebenen Berichtszeitpunkten der ZulassungsbehĂśrde anzuzeigen. Sie mĂźssen regelmäĂig Datenbanken und die Literatur analysieren und auswerten und die Ergebnisse an die zuständigen BehĂśrden berichten, die wiederum die Meldungen bewerten. In Deutschland ergreifen dann das BfArM oder das PEI bei Bedarf nach einem Stufenplanverfahren entsprechende MaĂnahmen, um gesundheitliche Risiken abzuwenden. Das kĂśnnen Auflagen zur Arzneimittelinformation oder Einschränkungen der Zulassung sein; in seltenen Fällen werden Arzneimittel sogar ganz vom Markt genommen.
Ăkonomie und Gesundheitssysteme
Arzneimittel zählen zu den wichtigsten Werkzeugen der Medizin. Sie sind einerseits ein bedeutendes Wirtschaftsgut, das in manchen Industrieländern erheblich zur Handelsbilanz beiträgt, andererseits ein groĂer Kostenfaktoren fĂźr die Gesundheitssysteme. Deshalb ist in vielen Ländern ein dichtes Geflecht an jeweils spezifischen Regulierungen zur Preisbildung und zur KostenĂźbernahme entstanden. Diese sind auch in der EU nicht harmonisiert.
Weltweit und auch in Deutschland besteht ein Trend zu hĂśheren Preisen fĂźr neue Arzneimittel: kostete 2011 eine Packung im Durchschnitt (ungewichtetes Mittel) 180 âŹ, lagen die Packungspreise im August 2021 dagegen bei 1225 âŹ. Neue Arzneimittel, die seit August 2018 angeboten werden, kosten im Durchschnitt 51.189 ⏠pro Packung (2011: 902 âŹ). Den aktuellen Spitzenplatz nimmt Libmeldy zur Behandlung einer seltenen Erbkrankheit bei Kindern mit dem Listenpreis von knapp 2.900.000 ⏠ein.cite-ref-49[48]cite-ref-50[49]
2007 gaben die USA mit weitem Abstand am meisten pro Kopf fßr Arzneimittel aus, gefolgt von Kanada und Griechenland. Deutschland und die Schweiz liegen im Mittelfeld, etwas ßber dem OECD-Durchschnitt.cite-ref-oecd2009-48-1[47] In Deutschland stiegen zwischen 2011 und 2022 die Preise fßr Arzneimittel bei Zulassung um jährlich 6 %, in der Schweiz um 3,2 % und in den USA um 19 %. Bedingt durch Nutzenbewertungen und Preisverhandlungen fielen die Preise in Deutschland nach der Zulassung binnen 10 Jahren um 45 %, in der Schweiz um 30 %. In den USA stiegen sie dagegen um 4,1 % an.cite-ref-51[50]
Deutschland
Im Jahr 2004 wurden Arzneimittel im Wert von 36,1 Mrd. ⏠abgegeben.cite-ref-simon-32-1[32] Zwei Drittel der Kosten trugen die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), weitere 22 % private Haushalte. Von den Ausgaben der Haushalte waren wiederum ein Drittel Selbstbeteiligungen, der Rest ging in die Selbstmedikation. Die Arzneimittelkosten zu Lasten der GKV waren 2004 mit 308 ⏠je Versichertem im internationalen Vergleich moderat.cite-ref-simon-32-2[32] Dazu trägt ein Generikaanteil von ßber 50 % der Verordnungen bei.
| Rang | Handelsname | Wirkstoff | Mio. Euro |
|---|---|---|---|
| 1 | Humira | Adalimumab | 844 |
| 2 | Xarelto | Rivaroxaban | 691 |
| 3 | Eliquis | Apixaban | 633 |
| 4 | Revlimid | Lenalidomid | 569 |
| 5 | Zytiga | Abirateronacetat | 340 |
Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln werden die Abgabepreise durch die Arzneimittelpreisverordnung geregelt. Das hohe Preisniveau von Arzneimitteln wird kritisiert.cite-ref-simon-32-3[32]
Versicherte in der deutschen GKV haben nach dem SGB V im Wesentlichen Anspruch auf Versorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Dieser Anspruch wird durch die Arzneimittel-Richtlinie des G-BA konkretisiert. Um das Wachstum der Arzneimittelausgaben zu bremsen, wurden fßr viele Arzneimittelgruppen Festbeträge eingefßhrt, die den maximalen Preis festlegen, der von der GKV ßbernommen wird. 2010 wurde das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) verabschiedet: ßber Arzneimittel-Rabattverträge kÜnnen Krankenversicherungen mit Herstellern Vergßnstigungen aushandeln. Auch wurde eine Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln durch das IQWiG eingefßhrt, auf deren Grundlage der G-BA die Versorgung mit einzelnen Arzneimitteln beschränken kann. 2011 und 2012 wurden insgesamt 120 Millionen Euro eingespart.cite-ref-handelsblatt-2013-102-14-52-1[51]
| Rang | Handelsname | Wirkstoff | Mio. Packungen |
|---|---|---|---|
| 1 | Novaminsulfon | Metamizol | 24,2 |
| 2 | Ibuflam | Ibuprofen | 19,1 |
| 3 | RamiLich | Ramipril | 12,2 |
| 4 | L-Thyroxin Henning | Levothyroxin | 0 9,7 |
| 5 | Amlodipin dexcel | Amlodipin | 0 7,8 |
Laut Bundesinstitut fĂźr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) haben sich seit den 2010er Jahren Lieferengpässe in der Arzneimittelversorgung stark ausgeweitet. Wurden der BfArM als AufsichtsbehĂśrde 2013 lediglich 40 Arzneien mit Lieferproblemen neu gemeldet, waren es 2018 schon 264 Medikamente. Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, gab an, dass 2019 Apotheken im Durchschnitt deutlich mehr als 100 Medikamente feststellen, die nicht lieferbar sind. Als Ursache gilt, dass immer weniger Hersteller/Fabrikstandorte einen Wirkstoff produzieren und die Produktion immer häufiger aus betriebswirtschaftlichen GrĂźnden ins Ausland verlagert worden ist.cite-ref-55[54] FĂźr 2018 habe es an einer einzigen Universitätsklinik in Deutschland 133 Lieferengpässe gegeben, veranschaulichte Frank DĂśrje, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker, die GrĂśĂenordnung der Problemlage. Betroffen seien insbesondere schwerkranke Patienten. Immerhin habe das Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) 2017 die Hersteller verpflichtet, eigene Lieferengpässe unverzĂźglich an die Krankenhäuser zu melden.cite-ref-56[55] Das BfArM hat zuletzt im März 2019 eine âListe der als versorgungsrelevant bzw. mit einem akut erhĂśhten Versorgungsrisiko eingestuften Wirkstoffeâ verĂśffentlicht.cite-ref-57[56]
Schweiz
Im Jahr 2012 wurden Arzneimittel im Wert von 5,649 Mrd. Franken abgegeben, ohne die im stationären Spitalbereich abgegebenen Medikamente, deren Kosten auf 700 Mio. Franken geschätzt werden.cite-ref-schiesser-58-0[57] Die Arzneimittel machen 22 % der ambulanten Kosten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung aus. Die Ausgaben pro Kopf lagen 2012 bei 700 Franken.cite-ref-schiesser-58-1[57] Die Grundversicherung zahlt nur Arzneimittel in der Spezialitätenliste, einer Positivliste fßr Arzneimittel, die gleichzeitig HÜchstpreise enthält, bis zu denen Kosten ßbernommen werden. Im Jahr 2016 sind die Ausgaben fßr Arzneimittel zu Lasten der Grundversicherung im Vergleich zum Vorjahr um rund 6 Prozent gestiegen. Sie beliefen sich damit auf ßber 7 Mrd. Franken, was rund einem Viertel der Grundversicherungskosten entspricht.cite-ref-59[58] In der Schweiz werden 54 % des Umsatzes mit patentgeschßtzten Originalpräparaten gemacht, etwa 20 % mit Originalen ohne Patentschutz und etwa 20 % mit Generika. Selbstbehalteregelungen, die Generika gegenßber Originalpräparaten begßnstigen, wurden 2006 eingefßhrt und sollen deren Verwendung fÜrdern.cite-ref-schiesser-58-2[57]
Arzneimittelpreise werden in der Schweiz durch die Krankenpflege-Leistungsverordnung geregelt. Preisvergleiche zwischen europäischen Ländern zeigen, dass Arzneimittel in der Schweiz besonders teuer sind.cite-ref-schiesser-58-3[57]
Ăsterreich
Ăsterreich gilt bei Arzneimitteln als âBilligpreislandâ.cite-ref-apoinzahlen2009-60-0[59] Im Jahr 2007 wurden Arzneimittel im Wert von 2,822 Mrd. ⏠auf Kosten der GKV abgegeben.cite-ref-apoinzahlen2009-60-1[59] Damit haben Arzneimittel (mit Mehrwertsteuer) 21,4 % der Ausgaben der Krankenversicherungsträger ausgemacht. Die Arzneimittelausgaben pro Einwohner lagen 2008 bei 326 ⏠ohne Mehrwertsteuer.cite-ref-apoinzahlen2009-60-2[59] Arzneimittel mĂźssen im Erstattungskodex verzeichnet sein, wenn sie von der Sozialversicherung bezahlt werden sollen; die Aufnahme in den Kodex ist oft mit Preisvereinbarungen verbunden. Patienten werden in den meisten Fällen Ăźber eine RezeptgebĂźhr an den Arzneimittelkosten beteiligt.
Arzneimittelrßckstände
Arzneimittel enthalten aufgrund ihrer Bestimmung in der Regel biologisch hochaktive Stoffe, die oft auch relativ stabil sind und im KÜrper oder in der Umwelt nur langsam abgebaut werden. Da eine unbeabsichtigte Aufnahme von Arzneimitteln zu Gesundheitsschäden fßhren kann, mßssen auch deren Rßckstände beachtet werden.
Rßckstände in Lebensmitteln
Tierarzneimittel, die bei Lebensmittel liefernden Tieren eingesetzt werden, kÜnnen eine Gefährdung fßr den Menschen darstellen. Deshalb ist die Verwendung von Arzneimitteln in der Tierproduktion gesetzlich geregelt. Schon bei der Zulassung von Tierarzneimitteln werden gesundheitliche Risiken durch Rßckstände bewertet und die Lebensmittelsicherheit beurteilt.cite-ref-61[60] So legt in der EU die Verordnung (EG) Nr. 470/2009 ßber RßckstandshÜchstmengen pharmakologisch wirksamer Stoffe in Lebensmitteln tierischen Ursprungs HÜchstmengen von Rßckständen fest, die fßr den Menschen als unbedenklich gelten. Nach der Anwendung von Tierarzneimitteln mßssen oft vorgeschriebene Wartezeiten eingehalten werden, bevor das behandelte Tier in die Lebensmittelherstellung gelangen darf. Lebensmittel werden von BehÜrden laufend stichprobenartig auf Arzneimittelrßckstände geprßft.
Rßckstände in der Umwelt
Arzneimittel, ihre Inhaltsstoffe und deren Abbauprodukte gelangen auf vielfältige Weise in die Umwelt, wo sie unter Umständen Menschen, Tiere und Ăkosysteme gefährden kĂśnnen.
Eintragsquellen sind neben den Ausscheidungen (Urin, Kot) von Mensch und Tier auch das unsachgemäĂe Entsorgen ungebrauchter Arzneimittel Ăźber die Kanalisation, beispielsweise Ăźber die Toilette, das Waschbecken oder das AusspĂźlen von Behältern mit Resten von Medikamenten. Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist die Entsorgung von geringen Mengen an Altarzneimitteln Ăźber den HausmĂźll aus Sicht der Abfallwirtschaft unbedenklich fĂźr die Umwelt. Denn seit 2005 werden Siedlungsabfälle in Deutschland verbrannt oder enthaltene Schadstoffe durch eine Vorbehandlung inaktiviert. Erst danach erfolgt die Deponierung. Allein der Sicherheitsaspekt â HausmĂźlltonnen sind häufig frei zugänglich â lässt diesen Entsorgungsweg bedenklich erscheinen. Das Umweltbundesamt rät deshalb, abgelaufene oder ungenutzte Medikamente in Apotheken oder Schadstoffsammelstellen abzugeben. Weiterhin kĂśnnen Schadstoffmobile genutzt werden. Enthält der Beipackzettel Entsorgungshinweise, ist diesen Folge zu leisten.cite-ref-62[61]
Durch verbesserte Analysetechniken werden seit etwa Mitte der 1990er Jahre vermehrt ArzneimittelrĂźckstände in Oberflächen-, Grund-cite-ref-63[62] und Trinkwässern nachgewiesen.cite-ref-64[63] Allerdings sind die Konzentrationen so niedrig, dass eine akute pharmakologische Wirkung nicht zu erwarten ist.cite-ref-arznei-umwelt-65-0[64] Andererseits sind die Stoffmengen in Gewässern durchaus mit denen von Pflanzenschutzmitteln vergleichbar. Eine mĂśgliche Ăkotoxizität wird daher vermehrt beachtet. Mit dem Antrag auf Zulassung eines Arzneimittels muss der Antragsteller deshalb seit einigen Jahren auch eine Umweltrisikobewertung vorlegen. Auf der Ebene der Europäischen Union wird der Schutz der Gewässer vor ArzneimittelrĂźckständen in der Wasserrahmenrichtlinie seit 2013 zusammen mit weiteren Spurenstoffen betrachtet.
2019 konnte in Ăsterreich in sämtlichen 40 untersuchten FlieĂgewässern zwischen 35 und 69 Arzneimittelwirkstoffe und -metaboliten nachgewiesen werden.cite-ref-66[65] Besonders kritisch werden RĂźckstände von Antibiotika in der Umwelt angesehen, da befĂźrchtet wird, dass sich bei Bakterien Antibiotikum-Resistenzen ausbilden, die die Wirksamkeit von Antibiotika gegen Krankheitserreger einschränken.cite-ref-antibiotika-umwelt-67-0[66]
Um die Arzneimittelbelastung des Abwassers zu verringern, gibt es verschiedene Ansätze. Kläranlagen sollen verbessert und Klärschlämme nicht mehr auf BÜden aufgebracht werden.cite-ref-68[67] Ein anderer Ansatz ist, nachhaltige Wirkstoffe zu entwickeln, die in der Umwelt biologisch abbaubar sind. Weitere MÜglichkeiten liegen in der Infektionsprävention, einer reflektierten Verschreibungspraxis oder auch in der Integration des Themas Arzneimittel in der Umwelt in medizinische Ausbildungsberufe.cite-ref-69[68]
Nach Angaben des Umweltbundesamts werden jährlich in Deutschland 30.000 Tonnen Humanarzneimittel verbraucht, mit 2.300 Wirkstoffen. Davon sind 1.100 Wirkstoffe Ăśkologisch unbedenklich, so Vitamine, Elektrolyte und Peptide, und es bleiben 1.200 Wirkstoffe und ein Jahresverbrauch von 8.100 Tonnen, die als âumweltrelevantâ eingestuft werden. Die im Oberflächenwasser vorhandenen RĂźckstände stammen zu 88 % aus Ausscheidungen, 10 % aus unsachgemäĂer Entsorgung von Arzneimitteln und 2 % aus dem Herstellungsprozess. Bis zu 47 % der Patienten wĂźrden ihre Restarzneimittel mindestens gelegentlich unsachgemäà entsorgen. Eines der am häufigsten verwendeten Arzneimittel, der EntzĂźndungshemmer Diclofenac, hat einen Jahresverbrauch von 14 Millionen Tagesdosen und 90 Tonnen Jahresumsatz in Deutschland, wovon 60â70 % durch natĂźrliche Ausscheidung ins Abwasser gelangen und dort bisher nicht geklärt oder abgebaut werden kĂśnnen. Auch die Sartane als Blutdrucksenker finden sich in hohem MaĂe im Abwasser wieder, bis zu 70 Tonnen jährlich, und gelten als âhumantoxikologisches Risikoâ. Andere Mittel mit hohem Absatz und hĂśherer Konzentration im Abwasser sind Ibuprofen (ebenfalls ein EntzĂźndungshemmer), Carbamazepin (gegen Krampfleiden eingesetzt), Ethinylestradiol (ein Hormonpräparat) und Sulfamethoxazol (ein Antibiotikum).cite-ref-70[69]
Durch die Novellierung der Kommunalen Abwasserrichtlinien der Europäischen Union im November 2024, mĂźssen zukĂźnftig Kläranlagen, je nach GrĂśĂenordnung, Ăźber eine vierte Reinigungsstufe verfĂźgen. So soll der Eintrag von Spurenstoffen, wie MedikamentenrĂźckständen, in die Gewässer verringert werden.cite-ref-71[70] In der Schweiz ist ein vergleichbares Gesetz bereits seit 2016 in Kraft.cite-ref-fedlex2016-72-0[71]
Tierarzneimittel
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Hauptartikel
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Tierarzneimittel
FĂźr Tierarzneimittel bestehen einige rechtliche Besonderheiten, die sich groĂenteils darauf grĂźnden, dass viele Tiere der Gewinnung von Lebensmitteln dienen. Aus GrĂźnden des Verbraucherschutzes mĂźssen Arzneimittel bei lebensmittelliefernden Tieren besonders umsichtig angewendet werden, bestimmte Arzneistoffe sind gar nicht erst erlaubt. Die den EU-Ländern bestehenden Rechtsvorschriften dienen der DurchfĂźhrung der seit dem 28. Januar 2022 unmittelbar geltenden Verordnung (EU) 2019/6 Ăźber Tierarzneimittel, die die Richtlinie 2001/82/EG (Gemeinschaftskodex fĂźr Tierarzneimittel) ablĂśste.cite-ref-73[72] Zentrale Aspekte der Tierarzneimittel, die EU-weit durch âklare, ausfĂźhrliche und direkt anwendbare Bestimmungenâ der neuen Verordnung geregelt werden, betreffen insbesondere die tierärztliche Verschreibung, Verordnungsmanagement und Monitoringsysteme fĂźr Antibiotika, den Versandhandel sowie die Umwidmung.
Geschichte
Arzneimittel werden seit Jahrtausenden genutzt.cite-ref-74[73] Pflanzliche Arzneidrogen und manche andere Stoffe waren schon im Altertum und in der Antike gebräuchlich. FĂźr eine Reihe von Heilpflanzen finden sich Hinweise auf ihre Anwendung schon aus vor- und frĂźhgeschichtlicher Zeit. Aus dem Neolithikum, der jĂźngeren Steinzeit, sind eine Reihe von Funden bekannt, die auf die Anwendung von Heilpflanzen schlieĂen lassen. Neben pflanzlichen Arzneistoffen gibt es auch tierische und mineralische.
Antike
Schon zur Zeit der Hochkulturen Mesopotamiens und Ăgyptens wurde die Arzneiform Pille, genannt Cataputon im Corpus Hippocraticum,cite-ref-75[74] erwähnt. Der rĂśmische Enzyklopädiker Aulus Cornelius Celsus Ăźbernahm das griechische Wort als Catapotium (Plural: Catapotia) und gab als GrĂśĂe der Pille die einer Erbse oder Bohne an. Die heutige Bezeichnung âPilleâ geht Ăźber die Formen pilla und pillula auf das lateinische pilula zurĂźck, eine Verkleinerungsform von pila (âBallâ), die sich bei dem rĂśmischen Schriftsteller Plinius dem Ălteren bereits im pharmazeutischen Zusammenhang mit der Bedeutung âKĂźgelchenâ findet. Die Pillen wurden damals durch Kneten der Arzneimasse in der Hand hergestellt.cite-ref-mfm19-76-0[75]
Die Pharmakotherapie bezeichnete Celsus mit der Diätetik (Regelung der Lebensweise) und der Chirurgie als eines der drei Teile der (antiken) Medizin.cite-ref-77[76]
Die zweite beliebte Arzneiform waren Lecksäfte, die bereits in babylonischer Zeit erwähnt wurden. Ein solcher Lecksaft wurde in Griechenland eclegma (Plural eclegmata) genannt. Sie wurden hergestellt, indem man die Arzneistoffe zerrieb und mit Honig anrĂźhrte. Verabreicht wurden sie den Patienten in einer Muschel. Plinius beschrieb, dass man das eclegma auf der Zunge zergehen lassen muss. Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides verschrieb Lecksäfte als Lungentherapeutika. Eclegmata kĂśnnen nach Galen in die Gruppen Diamoron (Maulbeersaft), Diacodyon, Diacaryon (Saft aus NĂźssen) und Succus de scillae (Meerzwiebelsaft) eingeteilt werden. Diamoron und Diacaryon wurden von Galen und Paulos von Aigina als Wund- und Schlundsalben verwendet.cite-ref-mfm19-76-1[75] Im Mittelalter und später wurde ein solcher Lecksaft als sehr flĂźssige Latwerge Linctus und als Dicksaft von Salsenkonsistenz Lohoch (dicker als ein Sirup und dĂźnner als eine Latwerge) bezeichnet.cite-ref-78[77] Verwandt mit den Lecksäften (vgl. auch die Arzneiform Julepcite-ref-79[78]cite-ref-80[79]) waren die Elektuarien (lateinisch Electuaria, vom griechischen Wort fĂźr âaufleckenâ), die hauptsächlich als âAntidotâ, etwa bei Vergiftungen wie z. B. durch Schlangenbisse eingesetzt wurden. In der babylonischen Medizin wurden sie auch bei Lungen- und Brusterkrankungen angewendet. Nikandros von Kolophon (2. Jahrhundert v. Chr.) berichtet in seinen Werken Theriaca und Alexipharmaca Ăźber die Zusammensetzung und Wirkung der Gegengifte. Beispiele fĂźr Elektuarien sind das Heilmittel bei Schlangenbissen â(Antidotum) Mithridat(i)umâ von Mithridates Eupator von Pontos, sowie die weiterentwickelte Form âTheriaca Andromachiâ von Andromachus, dem Leibarzt Neros. AuĂerdem wurden Elektuarien auch als Laxantien eingesetzt, was aus den Werken von Alexander von Tralleis, Marcellus Empiricus und Theodorus Priscianus hervorgeht.cite-ref-81[80]
In der ägyptischen Medizin im âPapyrus Ebersâ sind auch Pulverrezepturen zur innerlichen und äuĂerlichen Anwendung sowie fĂźr Zahnpulver Ăźberliefert. Auch im Corpus Hippocraticum sind Pulver beschrieben. Pedanios Dioskurides beschreibt zahlreiche Rezepturen zur äuĂerlichen Anwendung bei Hautkrankheiten, sowie Augen- und Nasenpulver. Innerlich finden Pulver nach Dioskurides Anwendung bei Magen- und Unterleibserkrankungen.
Salben wurden bereits im Papyrus Ebers erwähnt und sowohl in der Medizin als auch in der Kosmetik angewandt. Plinius Ăźberliefert, dass vor allem die Perser eifrige Salbenbenutzer waren. Laut Corpus Hippocraticum waren sie zusammengesetzt aus Honig, Wasser, Milch, Wein, Ălen oder Fetten, wurden mit Drogen vermengt und anschlieĂend auf die Haut aufgetragen. In der rĂśmischen Ăberlieferung tauchen Salben ausschlieĂlich als Kosmetika auf, die von nicht hoch angesehenen Salbenherstellern (unguentuarii) angerĂźhrt wurden.
Bei Abszessen, Furunkeln und äuĂerlichen Krankheiten fand in der Antike auch das Pflaster (Emplastrum) Anwendung. Bekannt war das Diachylonpflaster, das der griechische Leibarzt von Kaiser Tiberius Menekrates aus Zeofleta (4 n. Chr.). erfand und auch von Galen beschrieben wird. Paulos von Aigina teilte die Pflaster ein in Wundpflaster, vernarbende, zerteilende, erweichende, reifende Pflaster, Zugpflaster und lindernde Pflaster. Die Pflasterherstellung galt damals als sehr kompliziert. Eine einfachere Variante waren breiartige Umschläge sogenannte Kataplasmen, bei denen die Arzneistoffe mit Arzneistoffträgern vermischt wurden.cite-ref-82[81]
Eine heute nicht mehr bekannte Arzneiform der ägyptischen Medizin ist die Räucherung, durchgefĂźhrt an einzelnen Organen wie Nase, Scheide und After. Dabei wurden Harze, Weihrauch, Myrrhe, Benzoe und andere Stoffe verbrannt und der Rauch in das Organ geleitet. Das Räuchermittel âKuefiâ bestehend aus Myrrhe, Wacholderbeeren, Weihrauch, Zypernmastixzweigen, Bockshornklee, Kalmus und Styrax galt als besonders beliebt. Auch im Corpus Hippocraticum wird die Räucherung, sowie spezielle Räucherkerzen beschrieben. Celsus und Dioskurides berichten ebenfalls davon. Paulos von Aigina Ăźberlieferte, dass die Räucherung das Gehirn Ăśffnet und dort Verstopfungen beseitigt.cite-ref-83[82]
FĂźr die Arzneien der westlichen Medizin sind folgende Autoren besonders wichtig:
⢠Theophrastos von Eresos (371â287 v. Chr.) beschrieb 550 Pflanzen, darunter zahlreiche Arznei- und Giftpflanzen.
⢠Plinius der Ăltere (23/24â79 n. Chr.) schrieb eine hĂśchst umfangreiche enzyklopädische Naturkunde, die Naturalis historia. Die Heilmittel nehmen einen breiten Raum ein, es werden beinahe 1000 aus dem Pflanzenreich beschrieben.
⢠Die in fßnf Bßchern abgefasste Arzneimittellehre De materia medica des rÜmischen Militärarztes Dioskurides (1. Jahrhundert) ist die umfangreichste des Altertums. Sie behandelt Arzneimittel aus allen drei Naturreichen, es werden 102 mineralische, 101 tierische und 813 pflanzliche Arzneimittel beschrieben. Das Werk erschien um 78 n. Chr. und wirkte ßber Jahrhunderte. Besonders im Mittelalter diente es als Vorbild und Fundgrube fßr andere einschlägige Kompendien.
Arzneimittel in der griechisch-rĂśmischen Medizin standen im Kontext einer Therapie zur UnterstĂźtzung des natĂźrlichen Heilungsprozesses.cite-ref-84[83] Dabei fanden einerseits âeinfacheâ Arzneistoffe (Simplicia) Anwendung, die teils auf Volksmedizin, teils auf Empirie beruhten. Andererseits wurden aus der Mischung der Simplicia immer neue Composita kreiert, die gerade in rĂśmischer Zeit immer beliebter wurden, wie auch die Verwendung von exotischen Zutaten. Exotische Inhaltsstoffe waren aufgrund der weiten Herkunft hochpreisig und wurden wegen des hohen Wertes vielfach als besonders wirksam erachtet.cite-ref-85[84] In diesem historischen Kontext entstanden auch Scribonius Largusâ Compositiones.
Mittelalter
Die mittelalterlichen Quellen zum Arzneischatz sind zahlreich. Dazu gehĂśrt unter anderem das Lehrgedicht Liber de Cultura Hortorum oder Hortulus des Walahfrid Strabo (9. Jahrhundert), der Abt des Klosters Reichenau war. Das Wissen Ăźber die Heilkräfte der Pflanzen wird in Gedichtform (Hexameter) vermittelt. Ebenfalls ein Lehrgedicht Ăźber Heilpflanzen und durch den Hortulus beeinflusst ist der Macer floridus. Der Verfasser, Odo von Meung, lebte im 11. Jahrhundert. Eine vom 13. Jahrhundert an Ăźberlieferte thĂźringisch-schlesische ProsaĂźbersetzung und -bearbeitung, der âĂltere deutsche Macerâ, war weit verbreitet und diente neben anderen Quellen als Textgrundlage fĂźr den âGart der Gesundheitâ von 1485, eines der einflussreichsten gedruckten KräuterbĂźcher. Zudem wird das europäische Mittelalter etwa vom Jahr 1000 an mit verloren geglaubten oder in Vergessenheit geratenen Schriften der Antike durch Ăbersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische bekannt. Die Zentren der Ăbersetzertätigkeit liegen in SĂźditalien (Salerno) und Spanien (Toledo). Dazu kommen eigenständige Erkenntnisse arabischer Gelehrter. Abu Bakr Mohammad Ibn Zakariya al-Razi (865 bis etwa 930), Avicenna (980â1037) und andere arabische Autoren zählen zu den hochgeachteten Autoritäten der europäischen Heilkunde. In ihren Schriften werden bislang unbekannte Arzneidrogen beschrieben, zum Beispiel Ambra, Benzoeharz, Cubeben, Galgant, Kampfer, Moschus, Muskat, Mumie (siehe Mumia), Sandelholz, Sennesblätter und andere.
Auch unabhängig vom antiken oder arabischen Einfluss werden hier und da neue, eigenständige Beobachtungen gemacht, die das Wissen ßber den Arzneischatz bereichern. Herausragend sind die Physica der Hildegard von Bingen und eine Schrift des Albertus Magnus mit dem Titel De vegetabilibus.
FrĂźhe Neuzeit
Seit der frßhen Neuzeit wurde der europäische Arzneischatzcite-ref-86[85] erheblich erweitert. Nach der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien durch Vasco da Gama und die Landung in Amerika durch Kolumbus erÜffnete sich eine neue Dimension im Handel mit Heilpflanzen und Drogen. So kamen beispielsweise Brechwurzel, Chinarinde, Curare, Guajak und Perubalsam nach Europa.
Einflussreich war auch die Alchemie der Araber, da hier eine medizinische Zielrichtung in den Vordergrund trat: die Suche nach der Panazee, der Universalmedizin. Der wichtigste Wegbereiter fĂźr den Einsatz (al)chemischer Präparate in der Medizin wurde Philippus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493â1541). Er vertrat als Erster die innerliche Anwendung von Chemikalien, gerade von giftigen Antimon- und Quecksilberpräparaten. Zwar fanden seine Lehren zu seinen Lebzeiten nur einen beschränkten Anhängerkreis, doch seine Nachfolger, die Paracelsisten, vermittelten seine Ideen einem immer grĂśĂer werdenden Kreis von Medizinern und anderen Gelehrten. Paracelsus entwickelte Heilmittel auf Basis von Alkohol, die â später verbessert durch Valerius Cordus â als Hoffmannsche Tropfen (Ether und Alkohol) seit 1560 sehr beliebt waren.
Johann Rudolph Glauber (1604â1670) stellte Natriumsulfat dar und erprobte es als Heilmittel, nach ihm wird Natriumsulfat auch âGlaubersalzâ genannt. Er fand antiseptische Eigenschaften von Phenol und isolierte Alkaloide mit Schwefelsäure und Salpetersäure. Damit war er ein frĂźher Vertreter der pharmazeutischen Chemie.
18. bis 20. Jahrhundert
Zu den Fortschritten der Pharmakotherapie im 18. Jahrhundert gehĂśrt die 1785 erfolgte Bekanntgabe der Wirkung der Digitalisglykoside aus der Pflanze Digitalis auf das kranke Herz durch William Withering. Um 1804 isolierte Friedrich Wilhelm Adam SertĂźrner das Morphin aus Opium, 1811 entdeckte Bernard Courtois das Jod in Meeresalgenasche.cite-ref-88[87] Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Arzneischatz zunächst wieder reduziert: Ăbrig blieben Arzneimittel, deren Wirksamkeit nach dem damaligen Stand der Wissenschaft als gesichert galt. Dabei war deren Herstellung ausschlieĂlich Apothekern vorbehalten.
Der Erkenntniszuwachs in der Chemie fĂźhrte dazu, dass eine FĂźlle von wirksamen Inhaltsstoffen aus Arzneipflanzen isoliert wurden, etwa die Alkaloide Chinin (entdeckt um 1819), Morphin, Strychnin. Nicht nur Alkaloide, auch viele weitere Pflanzeninhaltsstoffe wurden isoliert und davon eine groĂe Zahl arzneilich verwendet. Dies wurde durch die EinfĂźhrung von neuen Apparaturen und Geräten in der Apotheke ermĂśglicht: 1823 erfand der Apotheker Petit aus Corbeil die Pulverisiertrommel und 1833 der Pariser Apotheker Pierre Francois Guillaume Boullay (1777â1869) die Perkolationsmethode, die die Extraktionspresse verdrängte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der Siegeszug der organisch-synthetischen Arzneimittel, die von der Teerfarben-Industrie entwickelt wurden, wobei das Herstellungsverfahren dem Patentschutz unterlag. Methylenblau war 1891 das erste vollsynthetische Arzneimittel.cite-ref-gureev-89-0[88] Dies fÜrderte ganz erheblich die industrielle Produktion von Arzneispezialitäten, den in abgabefertiger Verpackung hergestellten Arzneimitteln, wie sie heute das Bild beherrschen und die Einzelherstellung in der Apotheke weitgehend ersetzen. Die Acetylsalicylsäure, bekannt unter dem Namen Aspirin, viele andere Schmerzmittel und weitere auf das Nervensystem wirkende Arzneistoffe gehÜren hierher (Narkosemittel, Antiepileptika, Parkinsonmittel, Psychopharmaka und andere). Weitere Beispiele sind Arzneimittel, die das vegetative Nervensystem beeinflussen, etwa die Sympatholytika (zu denen die Betablocker zählen), die zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankung eingesetzt werden. Die Zahl der synthetisierten Wirkstoffe wurde rasch unßberschaubar.
Bei den Hormonen und Vitaminen gab es in der Folge biochemischer, physiologisch- und klinisch-chemischer Untersuchungen des 19. und 20. Jahrhunderts zahlreiche Fortschritte. Dabei wurden unter anderem die Grundlagen fĂźr den therapeutischen Einsatz von Vitaminen, Insulin, den Sexualhormonen (Estrogene, Gestagene, die âPilleâ, Androgene), den Hormonen der Nebennierenrinde (Glukokortikoide wie Cortison), SchilddrĂźsenhormonen, den Gewebshormonen und ihren Antagonisten (beispielsweise Antihistaminika als Antiallergika) gelegt.
Besondere Bedeutung erlangten Arzneimittel zur Vorbeugung und Therapie der Infektionskrankheiten, basierend auf dem Konzept der Zauberkugel von Paul Ehrlich aus dem Jahr 1900. Dazu gehĂśren vor allem Antibiotika, Impfstoffe sowie Mittel zur Desinfektion und Sterilisation. Mit ihrer Hilfe, aber auch durch bessere Ernährung und Wohnung sowie infolge verbesserter Hygiene, sind einst lebensbedrohliche Erkrankungen (âGeiĂeln der Menschheitâ), die auf Mikroorganismen zurĂźckgehen, stark zurĂźckgegangen. Zu nennen sind hier die Forschungen von Paul Ehrlich (1854â1915) (Arsphenamin) und Gerhard Domagk (1895â1964) (Sulfonamide). Dazu kam die Entdeckung, dass Naturstoffe wie das von Schimmelpilzen gebildete Penicillin als Antibiotika erfolgreich gegen diese Krankheiten eingesetzt werden kĂśnnen.
Siehe auch
Literatur
Pharmakologie und Toxikologie
⢠W.E. Haefeli, M. Seibert-Grafe und C.H. Gleiter: ArzneimittelâKombinationstherapie, Kommissionsverlag Michael Itschert, Sankt Augustin 2002, ISBN 3-89796-102-4.
⢠Felix Haffner u. a.: Normdosen gebräuchlicher Arzneistoffe und Drogen. 28. Auflage. Loseblattausgabe. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-8047-4394-6
⢠Ernst Mutschler, G. Geisslinger, Heyo K. Kroemer, S. Menzel, P. Ruth: Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie â Klinische Pharmakologie â Toxikologie. 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012.
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⢠Nicholas Eschenbruch, Viola Balz, Ulrike KlÜppel, Marion Hulverscheidt: Arzneimittel des 20. Jahrhunderts. Historische Skizzen von Lebertran bis Contergan. Transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1125-0.
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⢠Wolf-Dieter Mßller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. 2., ßberarb. und erw. Auflage. Stuttgart 2005, ISBN 3-8047-2113-3.
⢠Wolf-Dieter Mßller-Jahncke, Christoph Friedrich: Geschichte der Arzneimitteltherapie. Deutscher Apothekerverlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-7692-2038-2.
⢠Rudolf Schmitz: Historische und kritische Betrachtungen zum Begriff âArzneimittelâ. In: Deutsche Apotheker-Zeitung. Band 116, 1976, S. 1591â1595.
⢠Rudolf Schmitz: Der Arzneimittelbegriff der Renaissance. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil: Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission fĂźr Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 1â21, hier: S. 1â6.
⢠Rudolf Schmitz: Geschichte der Pharmazie. Band I: Von den Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters. Govi-Verlag, Eschborn 1998, ISBN 3-7741-0706-8.
⢠Rudolf Schmitz, Wolf-Dieter Mßller-Jahncke, Christoph Friedrich: Geschichte der Pharmazie. Band II: Von der Frßhen Neuzeit bis zur Gegenwart. Govi-Verlag, Eschborn 2005, ISBN 3-7741-1027-1.
⢠Wolfgang Schneider: Lexikon zur Arzneimittelgeschichte: SachwÜrterbuch zur Geschichte der pharmazeutischen Botanik, Chemie, Mineralogie, Pharmakologie, Zoologie. 7 Bände (Band 5 in drei Teilen), Govi Verlag, Frankfurt am Main 1968 bis 1975 (Band 1: Tierische Drogen, Band 2: Pharmakologische Arzneimittelgruppen, Band 3: Pharmazeutische Chemikalien und Mineralien, Band 4: Geheimmittel und Spezialitäten, Band 5: Pflanzliche Drogen, Band 6: Ergänzungen zu Band 3, Band 7: Register).
Kritische Literatur Ăźber Arzneimittel
⢠Marcia Angell: Der Pharma-Bluff. Wie innovativ die Pharmaindustrie wirklich ist. Kompart, Bonn / Bad Homburg 2005, ISBN 3-9806621-9-5.
⢠Markus Grill: Kranke Geschäfte â Wie die Pharmaindustrie uns manipuliert. Rowohlt, Reinbek 2007, ISBN 978-3-498-02509-0.
⢠Sonia Shah: Am Menschen getestet! Redline Wirtschaft, Mßnchen 2008, ISBN 978-3-636-01561-7.
⢠Ben Goldacre: Die Pharma-LĂźge: Wie Arzneimittelkonzerne Ărzte irrefĂźhren und Patienten schädigen. (Titel der amerikanischen Originalausgabe 2012: Bad Pharma) Kiepenheuer & Witsch, 2013, ISBN 978-3-462-04577-2.
Arzneimittelmetabolismus
⢠Karl-Heinz Beyer: Biotransformation der Arzneimittel. Springer Verlag, Berlin / Heidelberg / New York / London / Paris / Tokyo / Hong Kong 1990, ISBN 3-540-50696-9.
⢠G. Gordon Gibson, Paul Skett: Introduction to Drug Metabolism. Chapman & Hall, London / Glasgow / New York / Tokyo / Melbourne / Madras 1986, ISBN 0-412-26390-4.
⢠S Preissner: database Cytochrome-Drug interactions (Drug metabolism). Nucleic Acids Research, 2010, abgerufen am 20. August 2011 (englisch).
Weblinks
Commons
: Arzneimittel
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Wiktionary: Arzneimittel
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Medikament
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Literatur von und ßber Arzneimittel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Alte Arzneimittel â ein Fall fĂźr die Tonne. Webseite des Umweltbundesamts zur Entsorgung von Arzneimitteln
Einzelnachweise
cite-note-11. â FrĂźhneuhochdeutsches WĂśrterbuch. Band 2 (1994), Sp. 206â210.
cite-note-22. â Vollständige Definition: âa) Alle Stoffe oder Stoffzusammensetzungen, die als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder zur VerhĂźtung menschlicher Krankheiten bestimmt sind, oder b) alle Stoffe oder Stoffzusammensetzungen, die im oder am menschlichen KĂśrper verwendet oder einem Menschen verabreicht werden kĂśnnen, um entweder die menschlichen physiologischen Funktionen durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung wiederherzustellen, zu korrigieren oder zu beeinflussen oder eine medizinische Diagnose zu erstellen.â (Begriffsbestimmung im Gemeinschaftskodex fĂźr Humanarzneimittel, Richtlinie 2001/83/EG in der konsolidierten Fassung vom 16. November 2012 vgl. Artikel 1)
cite-note-33. â Richtlinie 2001/83/EG in der konsolidierten Fassung vom 16. November 2012.
cite-note-44. â Rudolf Schmitz: Der Arzneimittelbegriff der Renaissance. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil: Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission fĂźr Humanismusforschung. Band 11). ISBN 3-527-17011-1, S. 1â21, hier: S. 3.
cite-note-55. â Begriffsbestimmung Tierarzneimittel (Verordnung (EU) 2019/6 Ăźber Tierarzneimittel, Artikel 4): FĂźr die Zwecke dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck âTierarzneimittelâ alle Stoffe oder Stoffzusammenstellungen, die mindestens eine der nachstehenden Voraussetzungen erfĂźllen: a) Sie sind zur Heilung oder zur VerhĂźtung von Tierkrankheiten bestimmt; b) sie sind dazu bestimmt, im oder am tierischen KĂśrper angewendet oder einem Tier verabreicht zu werden, um entweder die physiologischen Funktionen durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung wiederherzustellen, zu korrigieren oder zu beeinflussen; c) sie sind dazu bestimmt, bei Tieren zum Zweck einer medizinischen Diagnose verwendet zu werden; d) sie sind zur Euthanasie von Tieren bestimmt;
cite-note-66. â Arznei. Duden online
cite-note-77. â Rudolf Schmitz: Der Arzneimittelbegriff der Renaissance. 1984, S. 3, Anm. 6 (im Gegensatz zu Arzneimitteln als âlose, zur Abgabe an den Verbraucher nicht hergerichtete vorrätig gehaltene Stoffe und Zubereitungenâ).
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cite-note-7574. â Vgl. Johann Heinrich Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, oder Versuch einer systematischen Aufzählung der in allen hippokratischen Schriften vorkommenden Medikamenten. Neue Akademische Buchhandlung von Karl Groos, Heidelberg 1824.
cite-note-mfm19-7675. â Wolf-Dieter MĂźller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. 2., Ăźberarb. und erw. Auflage. Wiss. Verl.-Ges, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2113-5, S. 19. Daneben siehe den Eintrag âPilleâ im Digitalen WĂśrterbuch der deutschen Sprache. Erwähnung der pilula bei Plinius dem Ălteren, Naturalis historia 16,11, § 30.
cite-note-7776. â Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus den medizinischen Schriften der Griechen und RĂśmer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 41.
cite-note-7877. â Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom Ăśsterreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft fĂźr Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans HĂśsel, Berlin 1938, S. 141 (Ecglemata) und 146 (Lohoch).
cite-note-7978. â Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom Ăśsterreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft fĂźr Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans HĂśsel, Berlin 1938, S. 145 (Julep, Julapium, Lecksaft: âwohlschmeckende, angenehm riechende und schĂśn gefärbte Mixtur, meist aus einem Syrup und einem aromatischen Wasser hergestelltâ).
cite-note-8079. â Vgl. auch ebenda, S. 145 (Lambitivum: Lecksaft, von lambitare âleckenâ).
cite-note-8180. â Wolf-Dieter MĂźller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. 2., Ăźberarbeitete und erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2113-5, S. 20.
cite-note-8281. â Wolf-Dieter MĂźller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. 2., Ăźberarb. und erw. Auflage. Wiss. Verl.-Ges, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2113-5, S. 21.
cite-note-8382. â Wolf-Dieter MĂźller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. 2., Ăźberarb. und erw. Auflage. Wiss. Verl.-Ges, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2113-5, S. 22.
cite-note-8483. â Christian Schulze: Therapie. In: Karl-Heinz Leven (Hrsg.): Antike Medizin, ein Lexikon. Beck, MĂźnchen 2005, ISBN 3-406-52891-0, Sp. 855â859, hier: Sp. 856 f..
cite-note-8584. â Peter Dilg: Arzneischatz. In: Karl-Heinz Leven (Hrsg.): Antike Medizin, ein Lexikon. Beck, MĂźnchen 2005, ISBN 3-406-52891-0, Sp. 98â99.
cite-note-8685. â Vgl. auch Rudolf Schmitz: Der Arzneimittelbegriff der Renaissance. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil: Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission fĂźr Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 1â21.
cite-note-gossauer-873. Albert Gossauer: Struktur und Reaktivität der Biomolekßle. Verlag Helvetica Chimica Acta, Zßrich 2006, ISBN 3-906390-29-2, S. 495.
cite-note-8887. â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/GĂśttingen/Heidelberg 1960, S. 33.